Donnerstag, 10. September 2009

Spruch des Tages

„Die Menschheit ist eine Krankheit.“
- Sir Crispin Tickell, Berater von Margaret Thatcher

Dienstag, 8. September 2009

Das Chaos, die Krise, das System oder wie der General sagte »La force des choses«

Der vor wenigen Tage von der deutsche Bundeswehr angeordnete Luftangriff auf die »Taliban« hat nicht nur für starke Verstimmungen in der NATO gesorgt, er hat auch diesen »Krieg«, welcher in deutsche Gefilden nicht »Krieg« genannt werden darf, aus der Versenkung gehoben und auf die Tagesordnung gebracht.

Seit schon bald Acht Jahren befinden sich NATO Truppen in Afghanistan. Und trotzdem hat, der nach den Angriffe auf die USA, mit Euphorie begonnenen »Krieg gegen den Terror« im Westen nie wirklich die Beachtung gefunden die nötig gewesen wäre. Nach dem »grossen Sieg« über die Taliban, musste auch die NATO feststellen, erobern ist das eine, aber beherrschen etwas ganz anderes.

Vor etwas mehr als Zwanzig Jahren, als die Sowjetischen Truppen noch in Afghanistan kämpften wurde ihnen im Westen ihr »Vietnam« prophezeit. Nach Zehn Jahren eines sinnlosen und brutal geführten Krieg zogen im Februar 1989 die letzten Truppen ab. Schon damals galt die Maxime, erobern und besetzen heisst nicht unbedingt beherrschen.

Der Widerstandswille der afghanischen Bevölkerung auf religiösen Fanatismus zu reduzieren, ist zwar einfach und findet im Westen viel Anklang, ist Falsch.
Sicherlich spielt der Glauben eine Rolle, er ist aber nicht der eigentliche Antrieb des Widerstandes. Dieser Widerstandwille ist tief in den Traditionen der dortigen Völker verankert und richtet sich gegen jeden der versucht das Land zu beherrschen.

Von vielen, von Politiker und Journalisten wurde dieser Krieg beschämend als eine Art Polizeiaktion gegen ein Paar wilde Gotteskrieger und Fundamentalisten abgetan.
Grosse Rhetorik im Still »am Hindukusch wird unsere Freiheit verteidigt« ändert nichts an der Realität.
Und die Realität ist brutal!
Die Realität heisst Krieg, Zerstörung, Tot!

Die Politik und die Strategien des Westens betreffend Afghanistan liegen schon seit langem in Fetzen.

Der Strom der geschichtlichen Ereignisse (La force des choses) treibt die Machthaber und Meinungsmacher, in Ost wie West, vor sich hin. Manch einer glaubt die Ereignisse steuern zu können, und ist dabei nur deren gefangener.
Gefangen sind sie in der Rhetorik des Angelsächsischen Weltbild. welches sich im Sog der » Neoliberale Revolution« und der »Globalisierung« über die Welt verbreitet hat, und inzwischen an seine Grenzen gestossen ist.
Gefangen sind sie in einer Geisteswelt in der nur das eigene Weltbild zählt.
Gefangen sind sie in der Krise, und das Finanzdesaster ist nur der auffälligste Teil dieser Krise, welche bis in die Fundamente der westlichen Gesellschaften reicht.
Das Virtuelle hat längst die Oberhand gewonnen, die Wünsche, die Illusionen der westlichen Anführer, und in ihrem Schlepptau der westlichen Völker, egal wie fern aller Realität sie sind, werden als Realitäten wahrgenommen.
Ob in der Wirtschaft und in der Arbeitswelt, ob in der Kultur und Bildung oder in den Wissenschaften hat sich einen immer negativer werdenden Individualismus breit gemacht.

Den wenigsten Menschen im Westen ist bewusst wie tief die NATO, immerhin die stärkste Militärmacht der Welt, im afghanischen Sumpf steckt.
Schon jetzt ist die Zahl der westlichen Truppen in Afghanistan höher als die der damaligen sowjetischen Besatzungstruppen. (Allein die Zahl der eingesetzte US-Militärs und »Contractoren« (resp. 52000 und 68000) übersteigt die Anzahl damaliger sowjetischer Truppen).

Was tun diese NATO-Truppen wirklich am Hindukusch?
Westliche Werten, westliche Lebensart, westlichen Ansichten, Demokratie, kurz gesagt, westliche Zivilisation und Kultur verbreiten!
Aber was für Werte sollen es denn sein die da mit Nachdruck verbreitet werden sollen?

EGR/2009-09-08